Winter in der Stadt

 

 

Du nahmst mich abends bei der Hand.

Ewig ödes, graues Land

sank in jene Stadt aus Lichter.

 

Du sagtest: ach, es wär zu schön,

wenn Schnee uns hier würde umwehn,

dann lief ich mit dir raus, zum Wald!

 

Doch schlendern wir durch diese Stadt,

die nur schmierige Lichter hat -

und schaun in mürrische Gesichter.

 

Dein Bitten wurde plötzlich wahr,

denn Flocken fielen dir ins Haar

und vom lachenden Mund.

 

Der Wind hob an. 

Vom Park, im Dunkeln,

Schemen nackter Arme funkeln,

gespenstisch schön durch´s kahle Rund.

 

Dein Lachen floh in weissem Wind.

Da, am Kaufhaus, stand ein Kind.

Es fror die ganze Zeit.

 

Ein Fremder nahm´s mit sich hinein,

in helles, warmes Licht.

Dort wird es wohl geborgen sein

und weint für Stunden nicht.

 

Das Mädchen auf vereister Bank,

tröstet sich mit Gottgesang. 

Es schneit vergessen ein.

Gedicht & Foto: Ralph Bruse

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