Sie tanzte

 

 

Im Park, im Winter, an der Linde,

habe ich sie gesehen:

Sie stand im eisigkalten Winde

und fing an, sich zu drehen.

 

Um sie viele weisse Flocken,

die auf und nieder stoben -

wie blitzende Brillanten, oben,

wenn sie am Licht andocken.

 

Unten, am Lichtmast, da ist sie

und lacht aus voller Kehle,

als sei dem Leibe warm, wie nie

und voll des Glücks, die Seele.

 

Ich dachte auch: ist sie betrunken,

oder etwa verrückt?

Da - plötzlich hat sie mir gewunken,

lief auf mich zu, ein Stück.

 

Das Bild verblasst. Im dichten Schnee

verlor sich wankend die Gestalt.

Auch dort - der stumm erfrorne See

ist nur noch tiefer, stiller Wald.

 

Kein Mensch winkt mir in heller Nacht.

Es war nur Gaukelspiel.

Wenn schwer der Schnee von Bäumen kracht,

tröstet mich das auch nicht viel.

 

...Sie tanzte so gelöst und heiter.

Ich will sie wieder sehen!

Also lauf ich einfach weiter

und lächle schon im Gehen.

Ballade & Bild: (c) Ralph Bruse

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