Kurzgeschichte

 

 

Es waren zwei nur an der Zahl,

die sich am Seedamm trafen.

Sie küssten lang sich jedes Mal,

zu später Nacht, wenn alle schlafen.

 

Warum zur Nacht, erfuhr ich nie -

es wird mich auch nie stören.

Soviel an Liebe gaben sie:

die soll ihnen allein gehören.

 

Ich stand am Fenster der Pension,

rühr mich im dunklen Zimmer nicht.

Und was ich sah, reicht mir zum Lohn,

war trüb auch jede Sicht...

 

Zwei Silhouetten dort, am Strand

vor flirrend schwarzem Meer.

Ich öffne weit die eine Hand;

darin wiegt sich ein Lichterschein

vom Himmel, oder sonstwo her.

 

 

Bald muß ich widerwillig fort -

der Winter war gekommen.

Ein Blick noch zum geheimen Ort:

der Damm, von dichtem Dunst umschwommen,

wie beide dort verloren stehn -

bis sie

und ich

in Schwärze wehn.

Gedicht & Foto: (c) Ralph Bruse

Grafik: open cliparts

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