Kalt

 

 

Rick war die Ruhe selbst. Die Zigarette extra lässig in der Lip-

pengegend baumelnd, wanderte sein geschärfter Blick an der

Frau, zwei Thekenmeter weiter, hoch.

Mannomann...Die Brüste. Was für herrlich straffe Titten! Die

Schultern - naja, vielleicht etwas zu bullig und breit; dennoch

weich abfallend. Ihr Hals - milchweiss und leicht zittrig, wie der

einer gewaltsam gefütterten Mastgans. Und der Mund: voll und

groß genug, um das Weinglas vor ihrer Nase mit Stiel aufnehmen

zu können.

Er wölbte schmatzend die Lippen. Männerphantasien - klar doch.

Na und, warum auch nicht. Er kannte sich aus mit den Weibern.

Und er wußte, daß er Schlag bei ihnen hat. Wen interessiert heut-

zutage schon noch ´n guter Charackter. Die Fassade macht´s. Nur

das Äußere zählt. Innere Werte...was für´n Schwachsinn!

> Eeh Heinz, gib mir noch so ´n Schlabberwasser. Und der Dame

zur goldenen Rechten einen Wunschdrink!, < sagt er betont laut.

Jetzt treffen sich ihre Blicke. In Ricks´ Brust hämmert es. Unter

der Schädeldecke juckt es zudem unaufhörlich. Aufregung pur -

immer noch, nach unzähligen Anbändeleien, die meist erfolg-

reich enden.

Bloß nicht an der Rübe kratzen!, überlegt er. Kratzen kann Krätze,

oder Verlegenheit bedeuten. Schüchternheit soll ja mitunter ganz

drollig wirken, ist aber in Wahrheit blanker Beweis von Schwä-

che.

Er räuspert sich. Die Thekennachbarin lächelt breit - so verdammt

einladend, daß Rick ein wenig unsicher wird.

> Auf uns, < holpert seine tiefe Stimme.

Wie ein glücklicher Vogel nippt sie an ihrem Wein. Dann sagt sie:

Ich bin die Lydia.

Nanu, denkt er. Tut die nur so, oder geht die immer so ran? Meis-

tens läuft´s doch andersrum - ich baggere, und die Frauen fallen

irgendwann später in die gemachte Grube; genauergesagt: ins

wartende Heiabettchen.

Aber die da durchkreuzt alle strammen Pläne. Lydia...Lydia...Na,

und, wenn schon. Etwa ´ne Nutte?

Mühsam verscheucht er die inneren Zweifel; grinst überschweng-

lich. > Und ich bin der Richard. Für Sie einfach nur Rick. <

Ein Zucken ihrer Augenbrauen. > Sie sind aus  Hamburg, tipp´ ich

mal. Nordischen Dialekt mag ich besonders. <

Er grinst mächtig. > Fast ins Schwarze. Lübeck is´ ja auch nur ´n

Katzensprung weit von da weg. <

(jetzt aber ran an den ausgelegten Speck!) Er drückt die Zigaret-

tenkippe platt; schnappt seinen Hocker und verkürzt die zwei The-

kenmeter Abstand auf knapp einen halben. Sie stoßen an; trinken

wieder auf sich.

Sie neigt ihren hübschen Kopf wohlwollend zur Seite; blickt ihm

direkt in die geweiteten Pupillen. Ihrem schwarzen, halblangen

Haar entströmt ein süsslicher Duft. Er will am liebsten die Augen

schließen, um diesen feinen Obst - nein, - Apfelgeruch in tiefen

Zügen in seinen Körper zu lassen. Der Geruch von Frauen faszi-

nierte ihn schon immer. Ehe er zur endgültigen Schlussattacke,

also zwecks gemeinsamen Zerwühlens seines Bettes durchstarte-

te, mußte er unbedingt den Geruch einer Frau kennen; muß die

Beute ausgiebig beschnuppern, bevor er sie reisst, wie ein Wolf,

der Witterung aufnimmt, ohne es sich sonderlich anmerken zu

lassen - für ihn ein spannendes Spiel - aufregend und in mancher

Hinsicht auch riskant, weil man verlieren kann, wenn man´s blöd

anstellt. Bemerkt eine der Ladys die eher unscheinbaren Schnup-

pertouren, platzt die Sache auch schon mal. Dann fliegen Worte,

wie: Perverser!, oder: arschkriechender Straßenköter! durch die

Gegend. Alles schon dagewesen. Die ganze Mühe für die Katz.

Meistens jedoch spielt er gut. Auch hier...Trotzdem hat er das

merkwürdige Gefühl, daß die Sache diesmal ganz anders kommt.

Sie, jedenfalls, scheint seine tiefen Atemzüge nicht nur zu erah-

nen. Nein, sie spürt sie wie tatsächliche Berührungen. Sie beugt

sich noch weiter zu ihm rüber; nimmt ihr Weinglas auf, zwinkert

ihm zu, ehe sie trinkt. Dann haucht sie: > Kannst ruhig noch nä-

herkommen, wenn du magst. <

Und nach einer kurzen Weile flüstert sie beinah zärtlich: > Riech

ich gut, oder gut? <

Voller Rätsel, ihr Lächeln.

Schweiss sammelt sich auf seiner Stirn.

Also doch - sie hat´s gemerkt. Er wird nervös. Seine linke Hand

steuert wie automatisiert in Richtung Haaransatz. Er muß sich

kratzen, denn das Gejucke an der Kopfhaut wird zur quälenden

Plage.

> Du willst mich haben, nicht wahr?, < haucht sie. > Und du

willst vorher noch etwas spielen...Wie riech´ ich denn nun?, <

hakt sie nach, die dunklen Augen weit aufgerissen.

Er kippt das halbe Bier in seinen Rachen; versucht ebenfalls ein

Lächeln.

Es wirkt unecht. Gib mir noch ´n Schlabberwasser, Heinz!, will

er rufen. Doch bevor er etwas sagen kann, legt sich ein mords-

schwerer Bleibrocken auf seine Zunge. Er fummelt an seinem

obersten Hemdsknopf; streicht an der nassen Stirn lang.

Sie stoppt die Fahrt der unruhigen Finger; nimmt seine Hand

zur Brust und sagt völlig ruhig: > Du kannst mich haben,

wenn...<

Er findet seine kratzige Stimme wieder. > Wenn was? <

Er sieht ihr mit einer Mischung aus Zustimmung, grenzenlo-

ser Neugier und Erschrockenheit in die großen, unergründli-

chen Augen.

Um ihre Mundwinkel zuckt es. Das Lächeln stirbt. In dem glück-

lichen Vogelgesicht ziehen tiefe Stirnfalten auf. Sie wirft ihr Haar

zurück; fixiert ihn noch eindringlicher.

Er fühlt ein ungemütliches Frieren in sich aufsteigen, obwohl es

im Lokal bulligwarm ist. Wie Widerhaken bohren sich plötzlich

lauter Fragezeichen ins Schemenhafte der Sitznachbarin. Da woh-

nen scheinbar tiefschwarze Abgründe hinter der Fassade...

Sie kommt noch näher; knabbert an seinem rechten Ohrläppchen;

sagt kaum hörbar: > Ich will, daß es nach meinen Spielregeln

geht. Eh´ ich dir gehöre, gehörst du mir. <

Ihr Haar raschelt und der warme Atem hetzt schneller - er kann

es deutlich spüren. Ihre anschwellenden Lippen nähern sich sei-

nem rechten Auge. Sie küsst es zu. Rick streckt ihr den Mund ent-

gegen. > Einverstanden, < sagt er, bevor sich ihre Zungen treffen.

Schon als er dieses ´Einverstanden´ ausspricht, hat er das ungute

Gefühl, daß er es bereuen wird.

> Komm, < sagt sie schließlich.

Sie bezahlen und gehn.

 

 

Obwohl ihre Wohnung vor Gemütlichkeit strotzt, wird er sein Un-

behagen nicht los. Dicker, weisser Plüsch überall. An den Wän-

den tiefroter Damast. Das intensive Rot wird an mehreren Stellen

von schwarzgerahmten Tuschezeichnungen unterbrochen.

Er sieht genauer hin - und sogleich verstärkt sich das Unwohlsein

in Richtung Schmerzgrenze. Auf den Bildern erkennt er lauter ver-

stümmelt aussehende Menschen. Abgetrennte Köpfe, von Schwer-

tern durchbohrt. Nackte, amputierte Gestalten, die offenbar Hand

an sich selbst legen, um sich gründlichst zu entstellen. Trauerge-

stalten, die schattenhaft, seelenlos, ja: tot wirken.

Angewidert wendet er seinen Blick ab. In seiner Nase ein Knis-

tern. Da ist er wieder - der zarte Geruch von frischen Äpfeln. Die

ganze Wohnung ist von dem tröstlichen Geruch durchströmt.

> Schon besser, < nuschelt er mit sich selbst.

Er versucht, sich zu entspannen; nimmt auf der ledernen Couch

in Wohnzimmermitte Platz. Das Zimmer würde einem Tanzsaal

alle Ehre machen, denkt er amüsiert. Seine Bruchbude passt

hier jedenfalls locker vier - fünfmal rein. Beeindruckt stößt er

einen Pfeifton aus und reibt sich die Hände.

Wo bleibt sie denn?

Er ruft ihren Namen.

Keine Antwort.

Etwa eine Minute vergeht. Das Raumlicht dämpft sich zusehends.

Von sicherer Hand geführt, bleibt nur ein schwacher Lichtkreis -

genau da, wo er sitzt. > Holla, ist ja wie Kino!, < staunt er.

Dann kommt sie - gewissermaßen auch wie Kino - nackt - völlig

nackt ist sie. Wie eine Wolke schwebt sie herein; nimmt neben

ihm Platz; haucht ihm liderliche Geilheiten ins Ohr. Schließlich

erhebt und streckt sie sich zu voller Pracht; blickt ihn lange und

intensiv an. Er will seine schweissnassen Hände nach ihr recken.

Sie stößt sie sanft weg. In ihren dunklen Augen blitzt jetzt so et-

was wie Abweisung auf; vielleicht sogar Feindseligkeit - er ist

sich dessen ganz sicher.

> Zieh dich aus, < sagt sie kühl. > Ich will, daß du dich langsam

für mich ausziehst. Lass dir dabei viel Zeit, ja?, < fügt sie fast

tonlos hinzu.

Worte, die surrend wie leichte Peitschenschläge über die halbof-

fenen Lippen kommen.

Allmählich gewinnt Rick wieder an Selbstsicherheit. > Okay,

Darling...wenn dich das antörnt, mach ich auch ´nen Handstand

für dich und fang´ mit dem Arsch Fliegen. < Er steht auf, postiert

sich direkt vor sie, um seine abgelegten Kleider in ihren Schoß

fallen zu lassen. Sie spielt mit der spitzen Zunge im halboffenen

Mund; seufzt leicht. > Du bist sehr gut gebaut. < Zart streicht ihre

Hand zwischen seinen Beinen lang. > Diese Nacht wirst du nie

wieder vergessen, < flüstert sie und greift fester zu. Sie nässt ihre

Finger ausgiebig mit Spucke; lässt die Hand sanft über seinen

harten Schwengel gleiten.

Er kommt noch näher; schließt die Augen. > Nimm ihn schon, du

heisses Luder, < stöhnt er. > Du willst ihn doch...<

Ihr leises Kichern.  > Lass mir noch ein bisschen Zeit...<

Behutsam zieht sie ihn an den Armen zu sich runter. > Riech

mich. Komm her und riech mich mit allen Sinnen! <

Sie rutscht zu Boden; räkelt sich unerhört verdorben im weissen

Plüsch.

> Okay, beschnupper´ ich dich eben noch ´ne Weile, eh du in der

Luft zerfetzt wirst, < sagt er in Anflügen von Ungeduld und Ver-

stimmung.

Letzteres vergeht im Nu, als er sie endlich unter seinen Händen

stöhnen hört. Das Weib ist höllisch aufregend! Ihre sanftschim-

mernde Haut fühlt sich so weich und glatt an, als hätte sie nie

auch nur einen Sonnenstrahl gesehn - hellweiß - und sie duftet

aus jede ihrer Poren nach taugetränkter Apfelwiese. Sowas hat

er noch keinmal erlebt. Das Weib riecht so permanent frisch, daß

es ihm fast alle Sinne raubt. Rasend irrt seine vibrierende Nase an

jeder noch so geheimen Stelle ihrer Haut lang. Als er ihre Venus

erreicht, hält sie ihn zurück.

> Genug. Das reicht, < sagt sie ziemlich schroff.

> Leg dich hin. Ich will dich jetzt in mir haben. <

> Klar doch, Darling!, < jagt seine Stimme umher. > Alles, was

gefällt. <

Er rollt rücklings, liegt nun breitbeinig, mit angewinkelten Knien

im Plüsch.

Sie erhebt sich; sagt: > Warte einen Moment, ja? < Und huscht

nach nebenan.

Kurze Zeit später ist sie zurück - in der fest verschlossenen Hand

den Gegenstand, der alles zu Ende bringen wird: klein, flach, ge-

fährlich. Von ihm sehen kann man nichts.

Rick grinst amüsiert, zieht sie zu sich. > Jetzt aber voran, Dar-

ling. Komm, reite mich endlich, daß mir die Lauscher wegflie-

gen! <

Sie zögert.

> Was denn jetzt schon wieder!, < schnauzt er sie plötzlich her-

risch an. > Mich wie blöde anpieksen und denn selber auf Klos-

ternonne machen! Irgendwie leicht schizo, findest du nicht?! <

Der Druck seiner Hände wird stärker.

> Du wolltest den Fick von Anfang an! Okay - vorher nach dei-

nen Regeln - alles klar. Jetzt bin ich aber mal zur Abwechslung

der Dirigent! <

Unsanft greift er in die Öffnung ihrer Venus; traktiert sie for-

dernd.

Sie wirft ihren Kopf zurück; stöhnt schmerzvoll auf.

> Na also, < grinst er. > Mußt nur an deine geheimsten Wünsche

glauben, Darling. <

Er setzt sie grob zurecht; dringt hart in sie ein. Sie wirft ihren

Kopf noch weiter zurück; stöhnt laut auf. In der verschlossenen

Hand spürt sie immer stärker das kleine Metallstück, das schließ-

lich in die eigene Haut schneidet. Die aufkommende, körperliche

Lust ist ihr nicht geheuer und unangenehm. Mehr noch: jeder ein-

zelne Stoß aus seinen Lenden steigert das Unangenehme und

lässt es binnen weniger Sekunden über alle Lust triumphieren.

Was bleibt, ist bloßer Ekel. Wie eine bösartige Schlange wütet

sein Schwengel in ihr. Das harte Zupacken seiner Pranken raubt

ihr die Luft zum Atmen. Ehe sie ganz daran erstickt, explodiert

in Lydia eine Zeitbombe...Sie öffnet die verschlossene Hand. Blut

tropft zu Boden -  wenig und nicht seins.

Rick bemerkt es nicht. Er hat die Augen geschlossen, weil er sei-

nem Höhepunkt entgegen rast.

Die Rasierklinge gleitet von ihrer Hand; fällt zu Boden. Sie greift

wieder danach; beugt sich vor...noch weiter....sssssst. Das kleine,

scharfe Metallblatt öffnet seine Halsschlagader. Zunächst spürt

er keinen Schmerz. Auch das hervorspritzende Blut nimmt er

nicht wahr...dann doch...Offenbar glaubt er zwei, drei Sekunden

lang, Opfer eines üblen Scherzes zu sein. Lydias nackter Leib ist

über und über rot. Zudem grinst sie teuflisch...Als er endlich be-

greift, was wirklich passiert, ist es für echte Gegenwehr schon zu

spät. Das Blut katapultiert sich aus seinem Hals und mit jedem

einzelnen Tropfen weniger, schwindet auch alle Kraft, die noch

irgendwas retten könnte. Sie hockt wie eine fette Riesensumpf-

kröte auf ihm; drückt ihn nieder, sobald er auch nur matte, letzte

Versuche startet, sie abzuwerfen.

Er kann diesen Kampf nur verlieren - sucht schließlich hinter ton-

nenschweren Augenlidern den Lichtspalt im größer werdenden

Dunkel. Sie erkennt er...sieht, daß sie sich die schwarze Perücke

vom Kopf reisst. Darunter streichholzkurze, blonde Stoppel. Als

er jetzt in das grauenvoll verzerrte Gesicht, von blondem Stoppel-

haar umrahmt starrt, da ist es ihm, als würde er geradewegs ins

Maul der eigenen Vergangenheit starren...Panisch fixiert er ihre

Augen - und er weiß jetzt, daß er die Augen vor langer Zeit schon

mal sah. Er hätte es wissen müssen, oder wenigstens: ahnen!

Den ganzen Abend lang hatte er schon den Verdacht, daß dieser

Beutezug völlig anders verlaufen wird - vorhin, im Lokal, und

nachher - hier - erstrecht...In jenen Tagen, vor Jahren...er nahm

sich die Weiber, wie sie fielen...Dann war er zu weit gegangen...

Die Kurzhaar - Blondine, neben ihm, auf dem Barhocker, gefiel

ihm. Er konnte ja alle haben. Nur sie nicht. Sie ließ ihn abblitzen;

verließ kurze Zeit später das Lokal. Und er schlich gekränkt hin-

terher. Sie bog in eine dunkle Seitenstraße ein...Da packte er sie,

zerrte sie in eine vergammelte Bauruine, um seine Ehre wieder

herzustellen und ihr zu zeigen, daß sie jetzt die Angeschmierte ist.

Sie wehrte sich heftig. Na ja, und dann mußte er halt härter hin-

langen - schlug sie bewusstlos und nahm sich seinen Teil ohne

ihr Zutun.

Erwischt wurde er nicht, wegen der Vergewaltigungsgeschichte.

Er hatte es eben schlau angestellt.

Nur nicht schlau genug...

 

 

> Jetzt bist du genauso schwach, wie ich, damals, D a r l i n g, <

zischt sie spuckespeiend.

Er hört die Stimme nur noch wie aus weiter Ferne. > Jeden A-

bend hab ich in dem Scheissschuppen auf dich gewartet. Vier

lange Jahre...! Und heute bist du endlich hier, Darling! <

Sie lacht schrill - so laut, daß es sie selbst schmerzt; bespuckt ihn.

Alle Gedanken ans Wahnsinnigwerden wird sie schlagartig los,

wenn der Rachedurst erst gestillt ist, dachte sie.

Doch nun - bei Eintritt des Todes...Nichts dergleichen. Als sein

Kopf seitwärts fällt, stolpert sie ohne den Hauch zufriedenen Ge-

fühls, nach nebenan. Auch in ihr ist jedes Leben erloschen. Seit

vier Jahren schon. Wo ist denn der Unterschied zwischen seeli-

schem - und wirklichem Tod ?

Nirgendwo. Es gibt keinen. Tot ist tot.

 

Später kommt sie ins Wohnzimmer zurück - in den Händen Zei-

chenfeder und weissen Plakatbogen. Sie taucht die Federspitze

in rotes Blut; beginnt, wie in Trance, zu zeichnen. Erst nur Stri-

che und Kreise.

Die Feder bricht.

Die nächste.

Übernächste.

Dann bilden sich Formen...Menschen...Allesamt verstümmelt.

Auch Rick zeichnet sie...Er, ohne Kopf, obwohl der noch dran ist.

Bleich ist er. So bleich und sprachlos. Armer Kerl.

Sie lacht.

Lacht verloren gegen den Irrsinn an.

In ihr toben Feuer. Trotzdem ist ihr kalt.

Ganz kalt.

 

 

 

(c) Ralph Bruse

 

 

 

 

 

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