Das seltsame Mädchen

 

 

> Mit dem Kinde stimmt was nicht, <

sagte oft ihr Vater.

> Es mag kein grelles Sonnenlicht

und schleicht sich, wie ein Kater. <

 

Nun ja - es gab schon manche Stunde,

da saß es ganz allein,

am Weiher, schaute in die Runde,

als schließe es sich ein.

 

Das Mädchen mit dem roten Haar,

nahm Buch und Stift zur Hand.

Schrieb nicht von dem, was heute war -

was wohl auch niemand seltsam fand.

 

Nein - es schrieb scheue Gedichte.

Balladen. Seitenlange.

Entfloh dem allerletzten Lichte

und nie war ihr dort draußen bange.

 

In ihr war mehr als Wolkenspiel.

Die Worte flogen hin,

wild und stürmend - viel zu viel

und scheinbar ohne jeden Sinn.

 

Doch alles vage wurde klar.

Der Mond stieg blass empor.

Silbrig glänzt ihr rotes Haar

und nichts war, wie zuvor...

 

2.

(Sie):

Warum du, mein Freund, warum?

Ich will doch nur verstehen.

Blicke mich ständig nach dir um,

doch kann ich dich nicht sehen.

 

Du hast es mir zuletzt geschrieben:

Wir sehn uns sicher bald.

Der Abschiedsbrief ist hier geblieben,

nur: du bist fort,

bist viel zu weit.

Und mir ist kalt.

Unsagbar kalt.

 

3.

Am Waldesdom erhob sich Wind -

streckte sich zischend nieder;

ließ hoffnungsleer allein, das Kind,

holt alle Klagelieder.

 

...Kam doch zurück, zum stillen Weiher,

der lange tief im Dunkel lag -

webt Licht um Licht in feuchte Schleier,

als sei schon früher, nächster Tag.

 

War Nacht.

Vielleicht war es auch Schein:

Da saß sie - und war nicht allein.

Ballade & Foto: (c) Ralph Bruse

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