Am Fenster

 

 

Da sitzt er...plustert sich, der Spatz

am vertrauten Fensterplatz;

schmeisst Körner in die schwarze Nacht.

 

Schweigend steht die Winterwelt.

Wenn ihr nur ein Tropfen fällt,

wird er hart, wie Stein.

 

Dort drinnen flirrn und platzen leise

Funken auf verlorner Reise

um die Ofentür.

 

Wohlig streckt sie ihre Hände,

berührt die heissen Kachelwände

wie einen großen, dicken Freund.

 

Sie lässt den Spatzen zu sich rein -

er soll auch nicht frierend sein.

Doch - schon fliegt er fort!

 

Der strenge Frost bringt ihn zurück

irgendwann, gewiss.

 

Sie sieht die Straße lang, ein Stück;

erblickt am Himmel jenen Riss

aus dem Flocken ans Fenster wehn.

 

Auch ihr Lächeln kann sie sehn,

auf grauem Fensterglas.

Und dann den klaren Mond, dahinter...

in jenem langen, harten Winter.

 

 

 

(c) Ralph Bruse

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